Lyrikmail #31

Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Die Liebenden

Trennen wollten wir uns, wähnten es gut und klug;
Da wir’s taten, warum schröckt’ uns, wie Mord, die Tat?
Ach! wir kennen uns wenig,
Denn es waltet ein Gott in uns.
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Dieser Text wurde veröffentlicht in dem Band:

Und wenn ich sonst nichts von Belang mehr täte.

Gedichte aus Lyrikmail 1-100, Koall Verlag, 9,90 Euro www.koall-verlag.de

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Lyrikmail #30 Allmers

Herman Allmers (1821 1902)

Feldeinsamkeit

Ich liege still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn’ Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne, weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau wie schöne, stille Träume;
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.

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Und wenn ich sonst nichts von Belang mehr täte.

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Lyrikmail #29

Christian Wernicke (1661-1725)

Annäherung der Feinde

Agesilaus hört’, es wär’n die Feind’ erschienen,
Und nah bey ihm: Und wir, sprach er, sein nah bey ihnen.

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Lyrikmail #28

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Maitag

Still! -Ich hör, wie an Geländen
leicht der Wind vorüberhüpft,
wie die Sonne Strahlenenden
an Syringendolden knüpft.

Stille rings. Nur ein geblähter
Frosch hält eine Mückenjagd,
und ein Käfer schwimmt im Äther,
ein lebendiger Smaragd.

Im Geäst spinnt Silberrhomben
Mutter Spinne Zoll um Zoll,
und von Blütenhekatomben
hat die Welt die Hände voll.

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Und wenn ich sonst nichts von Belang mehr täte.

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Lyrikmail #27

Clemens Brentano (1787-1842)

Wenn der lahme Weber träumt, er webe,
Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe,
Träumt die stumme Nachtigall, sie singe,
Daß das Herz des Widerhalls zerspringe,
Träumt das blinde Huhn, es zähl‘ die Kerne,
Und der drei je zählte kaum, die Sterne,
Träumt das starre Erz, gar linde tau‘ es,
Und das Eisenherz, ein Kind vertrau‘ es,
Träumt die taube Nüchternheit, sie lausche,
Wie der Traube Schüchternheit berausche;
Kömmt dann Wahrheit mutternackt gelaufen,
Führt der hellen Töne Glanzgefunkel
Und der grellen Lichter Tanz durchs Dunkel,
Rennt den Traum sie schmerzlich übern Haufen,
Horch! die Fackel lacht, horch! Schmerz-Schalmeien
Der erwachten Nacht ins Herz all schreien;
Weh, ohn‘ Opfer gehn die süßen Wunder,
Gehn die armen Herzen einsam unter!

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Und wenn ich sonst nichts von Belang mehr täte.

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