Lyrikmail #390

Georg Heym (1887-1912)

Spitzköpfig kommt er …

Spitzköpfig kommt er über die Dächer hoch
Und schleppt seine gelben Haare nach,
Der Zauberer, der still in die Himmelszimmer steigt
In vieler Gestirne gewundenem Blumenpfad.

Alle Tiere unten im Wald und Gestrüpp
Liegen mit Häuptern sauber gekämmt,
Singend den Mond-Choral. Aber die Kinder
Knien in den Bettchen in weißem Hemd.

Meiner Seele unendliche See
Ebbet langsam in sanfter Flut.
Ganz grün bin ich innen. Ich schwinde hinaus
Wie ein gläserner Luftballon.

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Lyrikmail #375 Wagner

Zuviel

Zuviel der Grüße sind, die mir begegnen,
Der Blüten, die auf mich herniederregnen.

Zuviel der Rufe sinds, die um mich schallen
Bei meinem Lustgang durch die Waldeshallen.

Zuviel des Sanges ists, den zu erwidern
Ich nicht vermag in meinen Frühlingsliedern.

Zuviel der Strahlen sinds, zuviel der Sonnen,
Der Wunderblumen und der Wunderbronnen.

Zuviel des Schönen, das ich nicht kann fassen
Nein, traurig nur muß wieder schwinden lassen.

Christian Wagner (1835-1918)

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