Lyrikmail #471 – Boie

Der Säufer an den Vollmond

Warum mein lieber Mond, sieht Er
So hoch und kalt auf mich daher?
Doch wol nicht seiner Völle wegen?
O da bin ich ihm überlegen:
Denn Er, mein lieber, weiß Er wol?
Ist Einmal nur im Monat voll!

Heinrich Christian Boie (1744-1806)

[del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [StumbleUpon] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #462 Weckherlin – Ein rundum

Ein rundum

An eine große f[ürstin].

Ein kleine weil, als ohn gefähr
ich euch in einem saal gefunden,
sah ich euch an, bald mehr und mehr
hat euer haar mein herz verbunden:
Ihr auch liebäugelten mir sehr,
dadurch ich, weiß nicht was, empfunden,
das meinem geist, dan leicht, dan schwer,
aus lieb und leid alsbald geschwunden
ein kleine weil;
bis ich von eurer augen lehr
und ihr von meiner seufzen mär
die schuldigkeit der lieb verstunden,
darauf wir heimlich, ohn unehr,
einander frölich überwunden
ein kleine weil.

Georg Rudolf Weckherlin (1584-1653)

[del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [StumbleUpon] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #461

An Iris

Komm Iris unter Buchen
Ein labend Kühl zu suchen!
Mich schmelzt der Sonnenstrahl
Noch mehr der Liebe Quaal.
Doch hör’ nah’ im Gebüsche
Tönt ein verliebt Gezische,
Wenn dich der Laut nicht schreckt,
Sind wir dort mehr bedeckt!

Johann Joachim Ewald (1727-1762)

[del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [StumbleUpon] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #460 Günderode

[An Creuzer]

Seh’ ich das Spätroth, o Freund, tiefer erröthen im Westen,
Ernsthaft lächlend, voll Wehmuth lächlend und traurig verglimmen,
O dann muß ich es fragen, warum es so trüb wird und dunkel,
Aber es schweiget und weint perlen den Thau auf mich nieder.

Karoline von Günderode (1780-1806)

Gedichte, Prosa, Briefe

[del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [StumbleUpon] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Lyrikmail #457 Wille – Der frühe Tag

Der frühe Tag

Tag mit deinen kalten Blicken,
Wie so frühe bist du da!
Meinen Traum hast du vertrieben,
Ach den lieben
Traum, darin ich Liebchen sah.

Grämlich bleich wie eine Greisin
Blickt in mein Gemach die Welt.
Weib, du wirst mit den Händen
Nimmer spenden,
Was der Traum mir lieb gesellt.

Schließe, Tag, dein kaltes Auge,
Bleib ein Weilchen noch zurück,
Laß mich blind und reglos säumen
Und erträumen
Heimlich noch ein wenig Glück.

Bruno Wille (1860-1828)

[del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [StumbleUpon] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]