Lyrikmail #658 Wildgans – Mich stillt nicht mehr…

Mich stillt nicht mehr, daß ich Dich heimlich nenne
Mit Namen, die sich Träumersinn erfand.
Ich weiß von Deinem Körper nur die Hand –
Wirf Dich in mich! Ich bin ein Busch und brenne.

Gott hat bestimmt, wie man ein Weib erkenne.
Wozu die Seele? Seele ist nur Tand,
Der Rauch nach einem unterdrückten Brand,
Ich aber bin ein wilder Busch und brenne.

Und bin der Pfahl, an den man Hexen bindet,
In allen ihren Sünden heiß und nackt,
Und bin der Pfeil, der sich ins Fleisch einhakt,

Und will der Gott sein, der Dich plötzlich findet
Und Deinen Leib, wenn er sich wehrt und windet,
Aufwühlt und hinreißt zu verwegnem Takt.

Anton Wildgans (1881-1932)

Gedichte – Musik der Kindheit – Kirbisch

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Lyrikmail #655 Heine – Ich liebe solche weiße Glieder

Ich liebe solche weiße Glieder,
Der zarten Seele schlanke Hülle,
Wildgroße Augen und die Stirne
Umwogt von schwarzer Lockenfülle!

Du bist so recht die rechte Sorte,
Die ich gesucht in allen Landen;
Auch meinen Wert hat euresgleichen
So recht zu würdigen verstanden.

Du hast an mir den Mann gefunden,
Wie du ihn brauchst. Du wirst mich reichlich
Beglücken mit Gefühl und Küssen,
Und dann verraten, wie gebräuchlich.

Heinrich Heine (1797-1856)

Sämtliche Gedichte in zeitlicher Folge (insel taschenbuch)

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Lyrikmail #647 Goethe – Neue Liebe, neues Leben

Neue Liebe, neues Leben

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh –
Ach, wie kamst du nur dazu!

Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen läßt,
Hält das liebe lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muß in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.

Die Verändrung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! laß mich los!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

der Autor: Goethe wurde am 28.8.1749 in Frankfurt(Main) geboren und starb am. Mehr auf Wikipedia

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