Lyrikmail #935 Falke
Weihnachtsbäume
Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume
aus dem Wald in die Stadt herein.
Träumen sie Ihre Waldesträume
wieder beim Laternenschein?
Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten
von der Waldfrau, die Märchen webt,
was wir uns erst alles erdichten,
sie haben das alles wirklich erlebt.
Da steh’n sie nun an den Straßen und schauen
wunderlich und fremd darein,
als ob sie der Zukunft nicht trauen,
es muß doch was im Werke sein!
Freilich, wenn sie dann in den Stuben
im Schmuck der hellen Kerzen stehn,
und den kleinen Mädchen und Buben
in die glänzenden Augen sehn.
Dann ist ihnen auf einmal, als hätte
ihnen das alles schon mal geträumt,
als sie noch im Wurzelbette
den stillen Waldweg eingesäumt.
Dann stehen sie da, so still und selig,
als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
als hätte sich ihnen doch allmählich
ihres Lebens Sinn enthüllt;
Als wären sie für Konfekt und Lichter
vorherbestimmt, und es müßte so sein,
und ihre spitzen Nadelgesichter
sehen ganz verklärt darein.
Gustav Falke (1853-1904)
Weihnachtsgedichte und Weihnachtslieder für Kinder (insel taschenbuch)
Lyrikmail #931 Heyse – Advent
Advent
Am Himmel Wolkenjagd, bleifarb’ge Helle,
In Frost erschauernd lag die Flur, die nackte;
Fern sah herüber spukhaft der Soracte,
Und lautlos schlich die gelbe Tiberwelle.
Ein junges Hirtenpaar, in Ziegenfelle
Gehüllt, schritt mit dem Dudelsack im Takte
Dem Tore zu, bis sie die Wache packte
Und unsanft sie hinwegwies von der Schwelle.
Erblichen ist in Rom, ihr guten Kinder,
Der Stern, der einst in Bethlehem erglommen.
Der Felsen Petri ward zur schroffen Klippe.
Und pochtet ihr am Vatikan, noch minder
Wär’ dort die Mahnung an den Stall willkommen,
Wo einst das Heil der Welt lag in der Krippe.
Paul Heyse (1830-1914)
Lyrikmail #928 Gaponenko
Mein Junge, du sagst:
„Sei gegrüßt, Ferne! Ich komme.“
Weder zu Fuß, noch zu Pferd,
kannst du die Ferne erreichen.
Die Ferne eilt dir voraus,
sie lockt dich mit Seufzern,
sie läutet silbern als Glocke,
sie streut frischen Schnee.
Sie führt dich als Kind.
Sie führt dich als Greis.
Sie führt dich im Kreis.
Marjana Gaponenko (*1981)
Copyright © bei der Autorin
![[del.icio.us]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/delicious.png)
![[Digg]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/digg.png)
![[Facebook]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/facebook.png)
![[Google]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/google.png)
![[LinkedIn]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/linkedin.png)
![[Mister Wong]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/misterwong.png)
![[StumbleUpon]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/stumbleupon.png)
![[Technorati]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/technorati.png)
![[Windows Live]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/windowslive.png)
![[Yahoo!]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/yahoo.png)
![[Email]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/email.png)