Lyrikmail #1362

Theodor Storm

Dämmerstunde

Im Sessel du, und ich zu deinen Füßen -
Das Haupt zu dir gewendet, saßen wir;
Und sanfter fühlten wir die Stunden fließen,

Und stiller ward es zwischen mir und dir;
Bis unsre Augen ineinandersanken
Und wir berauscht der Seele Atem tranken.

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Lyrikmail #1361 Tieck – Die Segel sie schwellen

Ludwig Tieck

Die Segel sie schwellen,
Die Furcht ist nur Tand:
Dort, jenseit der Wellen,
Ist väterlich Land.

Die Heimath entfliehet, -
So fahre sie hin!
Die Liebe sie ziehet
Gewaltig den Sinn.

Horch! wollüstig klingen
Die Wellen im Meer,
Sie hüpfen und springen
Muthwillig einher.

Und sollten sie klagen?
Sie rufen nach dir!
Sie wissen, sie tragen
Die Liebe von hier.

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Lyrikmail #1360 Wedekind

Altes Lied

Es war einmal ein Bäcker,
Der prunkte mit einem Wanst,
Wie du ihn kühner und kecker
Dir schwerlich träumen kannst.

Er hat zum Weibe genommen
Ein würdiges Gegenstück;
Sie konnten zusammen nicht kommen,
Sie waren viel zu dick.

Frank Wedekind (1864-1918)

Greife wacker nach der Sünde. CD: Lieder und Gedichte

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Lyrikmail #1358 Logau – Tage-Werck

Friedrich Freiherr von Logau

Tage-Werck

Weil die Nacht uns unsre Sorgen
Wolte biß auff heute borgen,
Soll man heute billich dran,
Abzuzahlen, was man kan.

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Lyrikmail #1357

Catharina Regina von Greiffenberg

Auf die Thränen

DV treuer Augensafft! wann ich schier gar verschmachte /

in Ohnmacht sink dahin / so spritzstu in Gesicht.

Du bist bey mir / wann ich bin bey mir selber nicht.

Sonst alle Labnuß ich / nur deine nicht / verachte.

Du Brunn der wahren Lieb’! in dir / ich GOtt betrachte /

ja neben mir erblick’ in seinem gnaden-Liecht.

Ich senk / ertränk in dir die Noht / die mich anficht /

du Herzgrund-Rotes Meer / den Sündhund dir auch schlachte.

Die Tugend-Thetis / so bewohnet deinen grund /

wann Vnglück mich verfolgt und ich in dich mich stürze /

nimmt in ihr Königreich mich auff / mir zuflucht gunnt.

Du trauer-saure flut / mein Leben mir verkürze!

ihr Thränen / trennet mich von diesem Jammer Ort!

als Perlen / Diamant werdt ihr mich zieren dort.

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