Lyrikmail #1486

Karl Rosenkranz

Es ist Alles egal!

Komm, mein Freund, wir wollen lachen
Über diese Narrenwelt,
Ist in ihr doch nichts zu machen,
Ist doch Alles schlecht bestellt.

Was ist denn an unserm Leben
Endlich das reelle Theil?
Daß wir da nur Schätze heben,
Wo sie auch für Schätze feil.

Lustig, Freundchen, hilf mir lachen,
Du bist elend, so wie ich.
Alle sind die Brut des Drachen,
Drum ist keiner fürchterlich.

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Lyrikmail #1485

Friedrich Schiller

Das Glück und die Weisheit
Entzweit mit einem Favoriten
Flog einst Fortun’ der Weisheit zu:
“Ich will dir meine Schätze bieten,
Sei meine Freundin du!

Mit meinen reichsten schönsten Gaben
Beschenkt’ ich ihn so mütterlich,
Und sieh, er will noch immer haben,
Und nennt noch geizig mich.

Komm Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
Du marterst dich an deinem Pflug,
In deinen Schoß will ich sie gießen,
Hier ist für dich und mich genug.”

Sophia lächelt diesen Worten,
Und wischt den Schweiß vom Angesicht;
“Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,
Versöhnet euch, ich brauch’ dich nicht.”


aus: Gedichte. Zweiter Theil . 1805

Die Erstfassung des Textes lesen Sie hier:

Das Glück und die Weisheit

Entzweit mit einem Favoriten,
Flog einst Fortun’ der Weisheit zu.
“Ich will dir meine Schätze bieten,
Sei meine Freundin du!

Mein Füllhorn goß ich dem Verschwender
In seinen Schoß, so mütterlich!
Und sieh! Er fordert drum nicht minder
Und nennt noch geizig mich.

Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
Du keuchst so schwer an deinem Pflug.
In deinen Schoß will ich sie gießen,
Auf, folge mir! – Du hast genug.”

Die Weisheit läßt die Schaufel sinken
Und wischt den Schweiß vom Angesicht.
“Dort eilt dein Freund – sich zu erhenken,
Versöhnet euch – ich brauch dich nicht.”

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Lyrikmail #1484

Friedrich Freiherr von Logau

Zungendrescher

Kein grösser Unrecht wird Juristen angethan,
Als wann ein jeder Recht erweiset jederman,
Weil ihnen Unrecht recht: Wann Unrecht wo nicht wär,
Wär zwar jhr Buch voll Recht, jhr Beutel aber leer.


aus: Deutsche Sinn-Gedichte

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Systematische Larmoyanz

“Wir, Dr. Daniel C. Henrich und Timon Seibel, wollten ihnen gerne unsere erste Ausgabe der Internationalen Zeitschrift für Larmoyanz (www.izl-online.eu) vorstellen. Die IZL ist eine internationale Internet-Plattform für Literatur und Kunst, die viermal jährlich erscheinen wird. Sie ist in die fiktive Geschichte um und über den Herren Christoph Lebies, seiner Zeit Gründer der Bewegung für Systematische Larmoyanz, eingebettet. Eine Besonderheit der IZL ist, dass die Beiträge der jeweiligen Autoren und Künstler aus der Sicht der fiktiven Figur Christoph Lebies kommentiert und kritisiert werden.

In der ersten Ausgabe befindet sich auch eine Kurzgeschichte des bekannten Drehbuch- und Kinderbuch-Autors Klaus-Peter Wolf. Beiträge bislang aus Frankreich, Türkei, Australien, Costa Rica und natürlich Deutschland.

Nächste Ausgabe im Frühling 2007. www.izl-online.eu

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