Lyrikmail #1590
Richard Dehmel (1863-1920)
Grusz
Und nähm’ ich alle zarten Blüten
und schüttete sie über dich:
sie könnten alle nicht verschütten
die Zartheit, die Dich selbst umflicht.
Wie Aphroditen einst die Wellen -
so würden sie umbranden dich,
bis Deine Anmut überquellend
empor aus all dem Dufte bricht.
Lyrikmail #1589
Georg Weerth (1822-1856)
Herüber zog eine schwarze Nacht
Herüber zog eine schwarze Nacht.
Die Föhren rauschten im Sturme;
Es hat das Wetter wild zerkracht
Die Kirche mit ihrem Turme.
Zerschmettert das Kreuz; zerdrückt den Altar;
Zermalmt das Gebein in den Särgen -
Die gotischen Bögen wälzen sich
Donnernd hinab von den Bergen.
Zum Dorfe stürzt sich Turm und Chor
Als wie zu einem Grabe -
Da fährt entsetzt vom Lager empor
Und spricht zur Mutter der Knabe:
“Ach Mutter, mir träumte ein Traum so schwer,
Das hat den Schlaf mir verdorben.
Ach Mutter, mir träumte, soeben wär’
Der liebe Herr Gott gestorben.”
Lyrikmail #1588
Ludwig Tieck (1773-1853)
Zeit
So wandelt sie im ewig gleichen Kreise,
Die Zeit, nach ihrer alten Weise,
Auf ihrem Wege taub und blind;
Das unbefangne Menschenkind
Erwartet stets vom nächsten Augenblick
Ein unverhofftes seltsam neues Glück.
Die Sonne geht und kehret wieder,
Kommt Mond und sinkt die Nacht hernieder,
Die Stunden die Wochen abwärts leiten,
Die Wochen bringen die Jahreszeiten.
Von außen nichts sich je erneut,
In dir trägst du die wechselnde Zeit,
In dir nur Glück und Begebenheit.
Lyrikmail #1587
Max Dauthendey (1867-1918)
Einst zerschlug mich die Einsamkeit
Einst zerschlug mich die Einsamkeit wie dumm Holz Scheit um Scheit,
Unter deiner Hand wurden die Wunden ein Traum,
Im gesunden Baum singen mit jungem Flaum deine Vögel.
Dein Herz hat das Wort »Weh« sterben gemacht,
Du hast warme Ähren auf die Felder gestellt,
Du wirst süße Trauben bescheren
Und endlich den Schnee, der den Winter erhellt.
Das Jahr wächst freundlich aus deinem Schoß,
Ich sehe staunend zu, wie reich du bist,
Und wie dein Reichtum nie ruht.
edle Spender
Es ist an der Zeit, dass ich mich für die tollen Bücherspenden bedanke, die in den letzten Wochen bei mir eintrafen.
Ganz herzlichen Dank an W. Hartwig, Rotorua (Neuseeland); S. Caesar, Madrid; J. Schulzki, Berlin; B. Pohl, Kiel!
Wenn Sie ebenfalls Lyrikmail unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier
![[Ask]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/ask.png)
![[del.icio.us]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/delicious.png)
![[Digg]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/digg.png)
![[Facebook]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/facebook.png)
![[Google]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/google.png)
![[LinkedIn]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/linkedin.png)
![[Mister Wong]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/misterwong.png)
![[MySpace]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/myspace.png)
![[Technorati]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/technorati.png)
![[Windows Live]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/windowslive.png)
![[Yahoo!]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/yahoo.png)
![[Email]](http://gregor-koall.de/blog/wp-content/plugins/bookmarkify/email.png)

