Lyrikmail #1616

Tom de Toys, 22.-26.7.2007

KEIN BIßCHEN BERLINER
(HYSTER!SCHE POPLiTERATUR IV)

ich warte nicht mehr
auf das einzig wahre
vollendete supergedicht
das sich nach kurzer schwerer atempause
plötzlich aus diesem NICHTS aufdrängt
in dessen nähe sich kein anständiger schriftsteller wagt
hier gelten keine rethorischen regeln
in dieser kernlosen mitte
sind alle buchstaben nur pleonasmen
ich habe kein bißchen zeit übrig
um über den kudamm so zu flanieren
als ob jedes sommerloch ein ewiger selbstläufer sei
alle straßen mutieren zu laufstegen
von ihrer unsäglichen hohlheit unterspült
von jedem außerirdischen großkonzern unterwandert
die seelen an ihrem eigenen wahnsinn erstickt
sämtliche topmodells und manager unter schock
in die unerwartete leere starrend
mit letzter kraft einen neuen planeten
für die tödliche ernsthaftigkeit suchend
doch das universum schweigt schallend zurück
keine sternschnuppe macht werbung für markenartikel
pauschalreisen im quantenraumschiff
zerfetZEN das unpräparierte muskelfleisch
sogar präsidenten implodieren
das geistige vakuum macht keinen halt vor keiner zelle
der durchschlupf ins umgestülpte diesseits ist grausam
der spalt hin zur rückseite der dinge
eröffnet kein echtes dahinter ist
DAZWISCHEN IST DAZWISCHEN IST DAZWISCHEN
schauen wir bloß durch die materie
wie unendlich glitzerndes wasser
und zählen die sterne wie sandkörner der bodenlosen ZENtrifuge
händchen haltend
im liebesspiel unserer raumgekrümmten finger angekommen
dem kosmischen orkan trotzend
bevor irgendeine zivilisation unser bewußtsein vernebelt
jetzt darfst du mir Dein Gedicht vorlesen
damit ich das ganze noch besser verstehe

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