Lyrikmail #1770 Hölderlin – Heimat
Heimat
Und niemand weiß
Indessen laß mich wandeln
Und wilde Beeren pflücken
Zu löschen die Liebe zu dir
An deinen Pfaden, o Erd’
Hier wo —
und Rosendornen
Und süße Linden duften neben
Den Buchen, des Mittags, wenn im falben Kornfeld
Das Wachstum rauscht, an geradem Halm,
Und den Nacken die Ähre seitwärts beugt
Dem Herbste gleich, jetzt aber unter hohem
Gewölbe der Eichen, da ich sinn
Und aufwärts frage, der Glockenschlag
Mir wohlbekannt
Fernher tönt, goldenklingend, um die Stunde, wenn
Der Vogel wieder wacht. So gehet es wohl.
Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Fragment aus der späten Schaffenszeit Hölderlins. Gefunden in:
Friedrich Hölderlin. Sämtliche Werke und Briefe in drei Bänden.
Bd.1; Hrsg. Jochen Schmidt, Deutscher Klassiker Verlag
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Für die Aufmerksamkeit, beim Gedicht Nr. 1770 (schon!!) eins von Hölderlin von diesem Jahrgang zu wählen, möchte ich mich bedanken.
U.B.