Lyrikmail #1954 lafleur

lucio

dasz jetzt doch mal was passieren muesse
dachte er, waehrend er mit schritten, durch
die man das gesamte feld erblicken konnte

schnurstracks uebern rasen raste, ganz
wie eine dieser langgliedrigen jagdspinnen
zwanzig, vierzig, sechzig, achtzig meter

trieb er den ball voran wie ein krankes opfer
(die uebrigen spieler schauten unterdessen
kurz mal nach statistenrollen) als er mit

einem pendelschwung seines hintersten
beines dem ball die noetige wucht verpaszte
endlich im tor einzuschlagen & mit zum

jubel weit ueber den kopf ausgestreckten
armen, ohne das tempo zu mindern, mit
raumgreifenden gliederfueszerschritten

an exakt jene stelle zuruecksprintete, von
der er gekommen war, die zuschauerblicke
tief eingepraegt in seinem steifen nacken

stan lafleur (*1968)

aus:
stan lafleur: die welt auf dem fusz.
Koall Verlag 2006, www.koall-verlag.de

Mehr Fußballlyrik: “Herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich weder von einem
Wort mit 3 “L” abschrecken lassen noch von einem Satz mit Lucio, Morlock und Cajkovski.
Vielleicht ahnen Sie ja schon, dass Dichter etwas können, was man beim Fußball oft erfolglos
versucht: den Punkt treffen….” fussball-kultur.org/

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