Lyrikmail #2058 Büchner

So tief verwundet ist dies Herz

So tief verwundet ist dies Herz –
Es möchte sich in Nacht versenken,
Nicht sehen, hören und nicht denken,
Nur fühlen seinen bitt’ren Schmerz!
So kostet’ es ihn bis zum Grund,
Es müßte langsam sich verbluten,
Und aus den ausgebrannten Gluthen
Erhöb’ es sich vielleicht gesund.

Nun aber wird der laute Tag,
Der ihn geschäftig will zerstören,
Des Herzens Qual nur noch vermehren,
Nicht stark es machen, sondern schwach.
Doch sei’s getragen – nach dem Wie
Nicht fragt der Selbstbeherrschung Wille;
Nur Aug’ und Lippe, haltet stille,
Das inn’re Leid verrathet nie!

Luise Büchner (1821-1877)

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Lyrikmail #2057 Grillparzer

Nichts was nur echt historisch ist

Nichts was nur echt historisch ist,
Ging je in diesem Land verloren,
Drum herrschen zwei Parteien itzt:
Die Wichte und die Toren.

Franz Grillparzer (1791-1872)

Franz Grillparzer. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten.

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Lyrikmail #2056 Schiller

Wahl

Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk,
Mach es wenigen recht; vielen gefallen ist schlimm.

Friedrich Schiller (1759-1805)

aus: Xenien und Votivtafeln

Die Gedichte. Insel Verlag, 606 Seiten

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Lyrikmail #2055 Herwegh

Lenau

Andere singen, du schlägst, o melancholischer Sprosser!
Schlägst in verzweifeltem Kampf, selber verzweifelnd, mit uns.

Georg Herwegh (1817-1875)

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Lyrikmail #2054 Lenau – Himmelstrauer

Himmelstrauer

Am Himmelsantlitz wandelt ein Gedanke,
Die düstre Wolke dort, so bang, so schwer;
Wie auf dem Lager sich der Seelenkranke,
Wirft sich der Strauch im Winde hin und her.

Vom Himmel tönt ein schwermutmattes Grollen,
Die dunkle Wimper blinzet manches Mal, -
So blinzen Augen, wenn sie weinen wollen, -
Und aus der Wimper zuckt ein schwacher Strahl. -

Nun schleichen aus dem Moore kühle Schauer
Und leise Nebel übers Heideland;
Der Himmel ließ, nachsinnend seiner Trauer,
Die Sonne lässig fallen aus der Hand.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

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