Lyrikmail #2197 Muehsam

Schüttelreim

An der Liebe Niederlagen
lässt der Dichter Lieder nagen.

Erich Mühsam (1878-1934)

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Lyrikmail #2196 Storm

Mitunter weicht von meiner Brust,
Was sie bedrückt seit deinem Sterben;
Es drängt mich, wie in Jugendlust,
Noch einmal um das Glück zu werben.

Doch frag ich dann: Was ist das Glück?
So kann ich keine Antwort geben
Als die, daß du mir kämst zurück,
Um so wie einst mit mir zu leben.

Dann seh ich jenen Morgenschein,
Da wir dich hin zur Gruft getragen;
Und lautlos schlafen die Wünsche ein,
Und nicht mehr will ich das Glück erjagen.

Theodor Storm (1817-1888)

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Lyrikmail #2195 Tiffert

die vögel hoch oben tragen mein haus

käfer in der erde fügen morgen und übermorgen
zueinander, wind weht im kreis, wind weht
hautschuppen in die laubwipfel,
poren hören das tage entfernte meer…
vögel hoch oben tragen mein haus

Udo Tiffert (*1963)

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Lyrikmail #2194 Heym

Der Regen ist vorbei. Die Bäume rücken ferne
Und werfen sich in ihren grauen Schatten,
[Und] langsam gehn herauf die Sterne.

Ein weißer Rauch hüllt alles in den Wiesen.
Die weißen Wege sind wie Haar verschlungen,
Und suchen sich in fernen Dämmerungen.

Die Menschen stehen um die Teiche oben,
Und sehen schwankend sich im Grunde wieder,
Mit Köpfen schwach und lächerlich verschoben.

Georg Heym (1887-1912)

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Lyrikmail #2193 Lingg

Das Krokodil zu Singapur

Im heil’gen Teich zu Singapur
Da liegt ein altes Krokodil
Von äußerst grämlicher Natur
Und kaut an einem Lotosstil.

Es ist ganz alt und völlig blind,
Und wenn es einmal friert des Nachts,
So weint es wie ein kleines Kind,
Doch wenn ein schöner Tag ist, lacht’s.

Hermann von Lingg (1820-1905)

Deutsche Unsinnspoesie

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