Lyrikmail #2499 Rilke – Aus einem April

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern
schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er
leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

der Autor: geboren am 4.12.1875 in Prag als Sohn eines Militärbeamten, 1886 bis 1891 Besuch der Militärschule St. Poelten, danach Militaer-Oberrealschule in Maehrisch-Weisskirchen, Studium der Kunst- u. Literaturgeschichte in Prag, München u. Berlin, 1899/1900 Russlandreise mit Lou Andreas-Salomé, Begegnung mit Tolstoi, 1900 lässt er sich in der Malerkolonie Worpswede nieder u. heiratet die Bildhauerin Clara Westhoff, von der er sich 1902 trennt, 1905 wird er für 8 Monate der Privatsekretär von Rodin in Paris, Reisen nach Nordafrika, Ägypten, Spanien, 1911/12 lebt er auf Schloss Duino an der Adria bei der Fürstin Marie v. Thurn u. Taxis, im 1. Weltkrieg in München, aus Gesundheitsgründen wird er aus dem oesterreichischen Landsturm entlassen, nach Kriegsende 1920 in Berg am Irchel
(Schweiz), ab 1921 auf Schloss Muzot im Kanton Wallis, das ihm sein Mäzen Werner Reinhart zur Verfügung stellt, er stirbt am 29.12.1926 im Sanatorium Val-Mont bei Montreux an Leukämie.

Benennen Sie Ihren Link

[del.icio.us] [Digg] [Facebook] [Google] [LinkedIn] [Mister Wong] [StumbleUpon] [Technorati] [Windows Live] [Yahoo!] [Email]

Verwandte Beiträge

Kommentare