Lyrikmail #2500 Tieck – Bologna

Bologna

Zu dir wall’ ich, alte Stadt,
Um den alten Goldschmidt,
Den theuren Freund,
Näher und näher zu kennen.

Welch kühnes Wollen
Verkünden uns hier die Bilder Francia’s!
Edler Greis,
Der du so sehnsüchtig
Ein Werk des verwandten
Größern Rafaels erharrtest.

Wer darf die Kunst ausmessen
Und ihre Grenzen ziehn?
Wer kann die Ewigkeit beschränken? –
Nur wer die kleine Gegenwart
Als den Mittelpunkt alles Daseyns erkennt.

Ludwig Tieck (1773-1853)

der Autor: geboren am 31.5.1773 in Berlin als Sohn eines Seilers. Er studiert Theologie, Philosophie und Literatur. 1799 in Jena im Kreis der Frühromantiker. 1804/05 Aufenthalt in Italien. 1817 in England, Beschäftigung mit Shakespeare. Seit 1825 Dramaturg des Hoftheaters Dresden. 1841 wird er von Friedrich Wilhelm I nach Berlin gerufen. Er stirbt am 28.4.1853 in Berlin.

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